Samstag, 5. November 2011

Alte Gewohnheiten

Ich mache ja scheinbar gerne die selben Fehler immer wieder noch einmal. Ich glaube ja daran, dass wir das, was wir nicht zu verstehen vermögen, wieder und wieder durchleben, bis wir endlich realisieren, dass es nicht ums Verändern des Problems, sondern ums Durchleben geht.

Dementsprechend greife ich mir auch selten am Kopf und stelle mich selber an den Pranger, wenn ich alte Verhaltensmuster und Gewohnheiten nicht ablege, obwohl ich zum Beispiel um die negative Konsequenz weiß. In letzter Zeit sind mir ein paar dieser Muster bewusst geworden:

F.

Als Beispiel F., ein Freund, der immer nur dann in mein(em) Leben auf- und eintaucht, wenn er gerade single ist. Das ist er allerdings nie sonderlich lange und deshalb leuchtet, nein flimmert, unsere Freundschaft immer nur für diese kurze Dauer etwas auf und erlischt dann auch wieder. F. hat mit den Frauen eine ganze Menge durchgemacht. Unter anderem hat er einmal mit all seinen weiblichen Bekannten "abgeschlossen", weil seine Freundin nicht wollte, dass er auch nur mit EINER anderen Frau Kontakt hat. Nur ein Beispiel. Und vor kurzem hat's mal wieder mächtig weh getan und ich war für ihn da. Bis er zwei Wochen später meinte, alles überwunden zu haben und wieder mit XY su-per-glücklich zu sein. Und nun sind wir füreinander wieder so eine Art Tabu, nur ohne, dass es jemals um gefährliche Grenzen ging oder wir tatsächlich eine Gefahr für die anderen Partner wären (das waren wir tatsächlich wirklich niemals).

Jetzt werden sich manche denken, dass dieser F. doch ziemlich ausnützerisch ist. Er lässt sich von mir ein bisschen ablenken, bis die nächste da ist. Doch das Gegenteil ist der Fall: ICH melde mich, wenn es ihm schlecht geht. ICH biete ihm an, da zu sein und ICH treffe ihn. Kurz: Es geht dieser ganze Freundschafts-fastmotion-Prozess von mir aus. Und das alles mache ich gerne. Bis es zu dem Punkt kommt, an dem er jemanden kennenlernt und unsere Freundschaft wieder wie eine Steuererklärung ist: vergangen, gut in Erinnerung und man sollte wohl öfter daran denken, wird es aber rausschieben. Dann bin ich entrüstet und bemerke, welche Struktur hier eigentlich vorherrscht.

Ich kann gar nicht behaupten, dass es mich verletzt, dass der Kontakt von mir ausgeht. Auch nicht, dass er mir fehlen würde - in der ganzen Zeit ohne ihn. Tatsächlich wurmt mich also nicht er oder sein Verhalten oder unsere Freundschaft sondern es wurmt mich, dass es mich wurmt, wo ich doch ganz selbst dafür verantwortlich bin. Ich habe ja nicht einmal das Bedürfnis, das ganze Freundschaftsspektakel fortzuführen, jetzt, wo er wieder vergeben ist. Aber noch einmal: Zwischen war nie und ist nichts. Es gefällt mir offenbar, das Da-Sein-Schafi zu sein. Und danach zwickt es mich, weil das ein altes Muster ist, das MICH noch nie glücklich gemacht hat.


M.

M. hat das mit dem Erwachsenwerden bisher nur mäßig gut hingekriegt. Bei Problemen greift M. gerne zur Flasche, sperrt sich wochenlang allein zuhause ein und spielt das "Niemand versteht mich"-Spiel. Warum ich es Spiel nenne? Weil M. darauf wartet, dass Prinz Sigismund oder zumindest die liebevollen geduligen ReiterInnen auf weißen Pferden angeritten kommen, um die von M. zugesperrte Türe zu durchbrechen und M. in den Arm zu nehmen. M. weiß das vielleicht gar nicht, dass sie das erwartet. M. glaubt vielleicht tatsächlich, dass sie niemand versteht. Aber M. hat auch gelernt, dass zumindest Da-Sein-Schafi super im Türen durchbrechen ist. Und da die "Niemand versteht mich"-Nummer so richtig ausleben darf.

Und seit nun diesen besagten Wochen bekämpfe ich mein Bedürfnis, M.s Tür zu durchbrechen. Denn natürlich: Ich bin ein super Da-Sein-Schafi. Ich kann das echt hervorragend. Nur wahrheitsgemäß? sind M. und ich freundschaftlich schon lange nicht mehr die, die wir einmal waren. Und ich habe es satt, verantwortlich für Erwachsene zu sein, die nicht mal sagen können "Ich brauche Hilfe." Wenn das passieren würde, wäre ich wahrscheinlich ohnehin schon am Türschlossbrechen und helfen. Aber zumindest ein kleiner Schritt muss da kommen. Für nichts und wieder nichts kann und will ich nicht mehr Da-Sein-Schafi sein. Und das wurmt mich: dass ich etwas bin, was ich nicht immer sein will und dann wie auf heißen Kohlen sitze, weil ich es versuche, es nicht zu sein.



Kann jetzt bitte ganz schnell jemand sagen "Ich versteh dich"? Ich tu's nämlich nicht so recht. Was soll ich nun daraus lernen?

Kommentare:

timi hat gesagt…

"Ich versteh dich"? - Timi (in aller kürze)
und in aller Länge dann morgen...

timi hat gesagt…

Also ich bin wohl so ein klassischer F wobei ich mal eine ganze Zeit lang ein M war. Beide Buchstaben sind eigentlich bedauerlich und irgenwann wollte ich weder M noch F sein :-) Irgendwann ist das einfach zu musterhaft, zu unerwachsen und damit einfach auch nicht lösungsorientiert weil die Da-sein-Schafis sich dann eben bald mal das selbe denken wie Du.

Also das F sich dann nicht mehr meldet, wo du doch zwei wochen immer für ihn da warst und nicht einmal was von ihm "willst" - zwei Gedanken hatte ich sofort dazu: entweder du erwarteste doch "mehr" von ihm (muss ja nicht beziehung sein) oder es verletzt ganz einfach nur dein Ego. (Wie kann er, wo ich doch so nett für ihn da war,... dann einfach gehen). Die Lösung für diese Ideen liegen wohl nicht im F sondern wo anders?

Wie Du das mit M machst finde ich super. Das würde ich wohl auch so machen. Ich kann mir einfahc nicht vorstellen, dass man in seinem Leben nicht lernt, dass man sagt, wenn es einfach nicht meht geht. Und ich denke, es ist keine hilfe für diese Leute, wenn man ihnen dann auch noch unaufgefordert zur Seite steht. Das macht das alles nurnoch schlimmer. M wird / muss es lernen - oder bleibt bei der Flasche...

Aber was lernst Du?
Und keine Angst: Jeder hat so seine Fs und zumindest seine Ms - auch ich..

Verstehs also ganz gut...