Dienstag, 29. Januar 2013

Alltag.

Ich hab Angst, dass ich zu lange mit dem Schreiben gewartet habe und das Gefühl jetzt deshalb "weg" ist, oder nicht mehr so greifbar: Aber ich versuch es mal.


Letzte Woche bin ich zu Peanut gefahren; ich hatte das Glück eine Mitfahrgelegenheit zu finden, die bei mir zuhause startete (schon recht selten) und mich bei meiner Süßen rauslassen würde. Ein Italiener, der in Deutschland lebt und eine Fernbeziehung mit einer Österreicherin hat (das waren dann schon mal genug Gemeinsamkeiten), war der Fahrer.

Es gibt die Art Menschen, auf die man trifft und sofort weiß, dass man alles, was man denkt, auch direkt sagen kann - so einer war der Italiener (nennen wir ihn mal um ihn nicht gleich zu überstereoypisieren David) auch. David war nett. Freundlich, sympathisch. Ende 40, schien mir offen, erfolgreich im Beruf, geschieden, aber glücklich verliebt. Im Grunde genommen war er die perfekte Mitfahrgelegenheit.

Aber schon, als er die Frage stellte ("Was zieht dich hin nach Ort X?"), wollte sich mein Wohlfühlgefühl einfach nicht einstellen. Es kam nicht. Ich hörte auf mich (und die Unsicherheit), war aber auch ehrlich, selbst, wenn das Stress bedeuten konnte: und sagte: ich bin in eine Frau verliebt, zu der fahre ich.

"Aha", sagt er, "na, so kompliziert wie bei mir". Ich sage "ja" und wir sinnieren über Fernbeziehungen. Und trotz seiner coolen Reaktion - das Gefühl der Sicherheit kommt nicht. Bin mir auch nicht hundertprozentig sicher, dass er mich richtig verstanden hat. Wir machen uns aus, am Ende der Fahrt Nummern auszutauschen um uns für weitere Mitfahrgelegenheiten zu verabreden. Und irgendwann lädt er mich zum Essen bei sich & seiner Freundin ein, mich - und meinen Freund.

Das ganze Gespräch über habe ich "sie" gesagt. Peanuts Name mag vielleicht auch einem Typen gehören, aber so oft fiel er nicht.  Da waren viele "sie"'s, die man überhören musste. Und David, wenn auch kein C2-Deutschsprecher, kannte den Unterschied durchaus gut.

Er hat es überhört, oder er wollte es überhören. Diese zwei Optionen gibt es.

Am Ende der Fahrt holt mich Peanut am Treffpunkt ab, nimmt meinen Kopf in ihre Hände und will mich küssen. Und ich wehre ab, sage "warte noch ein bisschen", und küsse sie erst richtig, als David um die Ecke gebogen ist. David gibt mir meine Reisetasche, wir geben uns die Hand, und zackbumm weg ist er. Kein Nummerntausch, und keine großen Abschiedsworte. Grundsätzlich hätte das gepasst. Zu den knapp sechs Stunden Fahrt zuvor passte es aber nicht.



Es hat einige Tage und ein paar Gespräche gedauert, bis ich nun glaube verstanden zu haben, was da eigentlich los war.
Zunächst war da meinerseits große Enttäuschung über mich. Ich verstelle mich nicht und verleugne nicht, wen und dass ich liebe. Das hab ich hier zwar auch nicht, aber ausgebessert habe ich ihn nicht. Und als ich die Irritation und Überraschung in seinem Gesicht sehen konnte, dass Peanut eine Frau ist, konnte ich sie ihm nicht mit Selbstverständlichkeit (und Stolz, so wie es sonst meine Art ist) vorstellen. Nein, ich habe versteckt. Versucht, nichts Offensichtliches zu tun. Keine offensichtliche Lesbe zu sein.

Das hat mich gewurmt - sehr. Weil es hier auch nicht um David oder die "praktische" MFG ging. Es ging nicht um "es sich nicht verderben wollen". Würde ich es mir mit ihm verderben, weil ich Frauen küsse, dann WOLLTE ich es mir mit ihm verderben.

Nein, das hat ganz und gar nicht zu mir gepasst. Und ich war irritiert von mir selber. Zumal ich mich sonst wirklich für den "ich bin ich, wenns dir nicht passt, geh"-Typus halte.

Ich fühlte mich dann, als ich es meinen Freunden erzählt habe, bald unverstanden. Irgendwie kam ich nicht auf den Punkt, auf den ich gerne hinauswollte. Klar, es wird immer wieder Blicke geben, und Davids Verhalten war in jedem Maße korrekt, nicht unpassend, nicht gemein. Von Diskriminierung? Eigentlich keine Spur. Und Blicke? Sollte ich doch gewohnt sein, nicht wahr?


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In einer meiner Lieblingsserien Queer as Folk gibt es eine Szene, die mir später, als ich es meinen Freunden beschreiben wollte, eingefallen ist:
Lindsay, eine lesbische Blondine aus der Oberschicht, beschwert sich über die Diskriminierung, die sie und ihre Partnerin erfahren müssen, wenn es um ihr gemeinsames Kind geht (ich glaube zumindest, darum ging es.. man darf mich gerne ausbessern). Mel, ihre kurzhaarige, resche Partnerin (ich überspitze) hört ihr zu und erzählt ihr dann die Geschichte aus ihrer Kindheit:

Mel ist jüdisch. Als Kind hat sie jedoch keinen Bezug dazu. Was macht Juden (und Nichtjuden) denn schon aus? Sie wächst also mit dem Grundsatz "alle sind gleich" auf. Bis der Erste kommte, mit dem Finger auf die zeigt, und sie Jüdin nennt.

Da weiß Mel plötzlich, was eine Jüdin ist. Und auch, was es bedeutet, eine zu sein.
Und wenn man vergisst, wer man ist, erzählt sie,
wird immer jemand kommen, und einen erinnern.





Es ist absolut nicht das erste Mal, dass ich daran erinnert wurde, auf Frauen zu stehen. Und schließlich ist mir absolut bewusst, eine Frau zu lieben und mit genau dieser glüklich zu sein. Aber offenbar hatte ich ES wirklich fast vergessen,



bis ich daran erinnert wurde. 
Dass es immer noch Menschen gibt, für die das nicht normal ist (und sei es nur deshalb, weil es nicht kennen), bumm. Trifft mich nach wie vor. Bumm. Wie ein Pfeil. Bumm. Pfeil drin. Bumm.

Dienstag, 8. Januar 2013

Fülle deine Tage mit Leben (und Urlaub), nicht umgekehrt.


Eine Sache an Fernbeziehungen, die mir jetzt deutlich auffällt:
Man hangelt sich von Ast zu Ast. Jedes neue Treffen und erneute Sehen setzt sogleich einen Countdown in Bewegung. Man freut sich - und man zählt.  Ich weiß noch, dass ich meiner Studienzeit in einer anderen Stadt immer die Tage gezählt hab, bis ich wieder heim fahren konnte oder bis meine Freundin zu mir kommen konnte. Was blieb von der Woche übrig? Ein Warten aufs Wochenende. Man lebte "mehr" zu zweit, machte mehr, Schönes will schließlich zu zweit erlebt werden und unter der Woche blieben also nur die unbeliebten Muss-Dinge übrig. Keine große Überraschung, dass die Montage bis Donnerstage weniger schön waren.

Bei einer Fernbeziehung mit vielen Kilometern dazwischen reichen Wochenenden nicht - das bedeutet seltener, aber dafür meist für längere Zeit sehen. Jedes Mal, wenn man sich von dem Menschen, den man mag, dann wieder verabschieden muss, fällt man kurzerhand in ein größeres oder kleineres Loch. Das braucht ein bisschen, bis man wieder daran gewöhnt ist, dass die/der Geliebte nicht da ist.


Irgendwo verlieren sich hier Normen. Sich sehen ist also so eine Art "Ausnahme", geschieht also auch viel bewusster. Die Gefahr besteht darin, nur mehr von Ausnahme zu Ausnahme zu leben und auf das Zwischendrin zu vergessen: Das ist nämlich genauso LEBEN! Ich erwische mich dabei, nur mehr in diesen beiden Kategorien zu denken: mit-Peanut oder ohne-Peanut. Beides ist Norm - darauf will ich hinaus. Oder auch: da will ich hin! Ich versuche meist, so viel wie möglich im ohne-Peanut-Modus "hinzukriegen", um dann freier für die Zeit mit Peanut zu sein. Das funktioniert, fällt aber eher unter die Kategorie "Bevor ich in Urlaub fahre, muss ich noch..."


Da ist einerseits der pure Genuss dieses Gefühls, dass meine Beziehung für mich URLAUB darstellt. Andererseits hat man fast zu sehr Urlaub vom ohne-Peanut-Leben, dem "anderen" Leben. Das ist irgenwdie nicht richtig und verstimmt mich. Es müsste möglich sein, beides zu leben. Peanut (wenn auch nicht physisch) in mein Leben hier zu holen und gleichzeitig mein Leben zu Peanut mitzubringen. (Und damit meine ich nicht: Ich bringe meine Arbeit mit zu Penaut. Das mache ich schon. Mit mäßigem Erfolg.)


wir warten auf das wochenende
und auf den schulferienbeginn
wir warten auf's millionenerbe
und einen lottogewinn
wir warten auf die freie liebe
und lilo wanders mal als mann
wir warten auf den schlaganfall
wir warten auf den tod ein leben lang
und wir warten wie die psychopathen
und wir warten in harten, harten, harten zeiten
warten nur
bereiten uns auf's warten vor

wir warten auf die müllabfuhr
und manchmal auf die feuerwehr
wir warten auf die busse und züge
und den ganzen personennahverkehr
wir warten auf's 1-liter auto
und umweltfreundliche energie
wir warten auf die worte vom pastor
auf castor transporte warten wir nie
wir warten auf erleuchtung
und die wiederauferstehung von gottes sohn
wir warten auf elvis rückkehr
auf ein comeback von joey ramone
wir warten auf ein gutes hollywood drehbuch
und einen oscar für lafontaine
wir warten auf gerechtigkeit
und auf den 20. refrain

wir warten auf den weltfrieden
und die atomare abrüstung
wir warten auf ein kleines lob vom partner
oder den perfekten seitensprung
wir warten auf die marskolonialisierung
oder darauf das beamen möglich ist
wir warten auf so vieles
dass man das warten fast vergisst 
(wohlstandskinder - apathisch warten. wow, was hab ich diesen song vor zehn Jahren (sic!) geliebt!)

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Etiketten sind für Dosen, nicht für Menschen. (Anthony Dean Rapp)

.... hat mich gerade extrem berührt und spricht mir in sehr vielen Punkten aus der Seele:

http://www.patheos.com/blogs/permissiontolive/2012/11/your-vote-ffects-real-people.html


.. und wer die Schreiberin ist:

http://www.patheos.com/blogs/permissiontolive/2012/04/unwrapping-the-onion-part-1-a-secret-revealed.html

so einfach, so klar, und doch so doof: gefühle sind relativ!

Vor etwa drei Jahren ging ich mit zwei Mädels in eine Kneipe, in die ich sonst nie gehe. Wir feierten ausgelassen, tranken viel. Ich war in Flirtlaune. Ich sprach einen Typen an, mit dem ich davor lange Augenkontakt gehalten hatte. Mitten in meinen Flirtversuch platzte ein anderer Typ - er legt den Arm um mich und sprach mit uns. Ich löste mich aus dem Körperkontakt und er sagte "Tonja, wie gehts dir?"
Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wer er war.

Ich fragte nach und er trat einen Schritt zurück, sichtlich davon irritiert, dass ich ihn nicht (er-)kannte. Er nannte mir Details aus meinem Leben. Er kannte mich, er wusste ein paar Dinge von mir. Soviel war klar, das war keine Verarsche. Ich versuchte, die Sache mit Spaß abzutun. Er sagte noch "Erstens: Ich war derjenige, der dir deinen Fuß im Krankenhaus verarztet hat im Sommer." (mir ging ein Licht auf -  "Aaaaah, jaaa, jetzt erkenn ich dich!" - ich wusste auch noch, dass er ziemlich nett zu mir war), er verzog sein Gesicht, "und zweitens, und das ist viel wichtiger: WIR HATTEN DAVOR MAL EIN DATE." 


Weg war er, und ließ mich baff zurück. Ich kann mich noch erinnern, wie sehr ich mir damals (und seither) den Kopf darüber zerbrochen habe, wer dieser Mensch gewesen sein könnte.
Ich  bin ihm nie wieder begegnet - und weiß es bis heute nicht.


Dieser Mensch hat es offenbar nicht in mein Gedächtnis geschafft. Klar könnte man Theorien darüber aufstellen, dass ich vl. unter Schlafmangel litt, dass ich nach einem Sturz auf den Hinterkopf die Erinnerung über eine Woche meines Lebens verloren habe, dass ich das Date vl. zwischen zwei REM-Phasen hatte oder dass er schlichtweg gelogen hat. Aber ich denke, die Wahrheit ist einfach: Ich habe ihn vergessen. Weder er noch dieses Date waren jemals interessant oder auch wichtig genug, um es zu speichern.

Ich habe nun wirklich kein schlechtes Gedächtnis; mich mit meinen 24 schon an Menschen, die ich date!, nicht mehr erinnern zu könne, erzählt uns nur eines:

So ist das Leben: Menschen kommen, Menschen gehen. Manche hinterlassen Spuren, andere nicht.

Und umgekehrt ist es genauso: Während wir gefühlt nur ein paar Schritte durchs Wohnzimmer eines Fremden gemacht haben, haben wir vielleicht riesige Fußabdrücke verlassen - und vielleicht verschwinden wir aber auch wieder aus der Wohnung, ohne dass wir jemanden aufgefallen wären.


Mit Gefühlen ist das nicht anders: Während es für einen selbst vielleicht nur ein Kurzbesuch im Herzen eines/r anderen ist, kann der/die andere davon "bleibende Schäden" tragen. Während es für mich eine große Liebe gewesen sein kann, kann mich der/die andere schon lang geschluckt, verarbeitet/verdrängt haben oder mich einfach als nicht so "groß" empfinden.

Das ist keine Frage der Entscheidung. Aber mit der Tatsache selbst kämpfen wir ständig. Wie oft im Leben empfinden zwei Menschen schon genau das Gleiche füreinander? (Und dann noch zur gleichen Zeit?)

Die Musikerin kann mich selbst nach acht voneinander getrennten Monaten nicht loslassen. Und hat mich nun unter Schmerzen gebeten, dass ich daher die Seile kappen soll. Ich sage "selbst nach acht Monaten", doch habe ich bei meiner Ex - einer "großen"  - weit länger gebraucht. Für mich hingegen ist die Musikerin nur anstrengend, weil ich ihr nicht helfen kann. Ich bin der Brandherd - ich kann nicht die Feuerwehr sein (und habe es viel zu lange dennoch versucht). Ich bin für sie ganz "groß" - ich fühle mich mehr so, als hätte ich nur ein paar Mal ihr Wohnzimmer zur Untermiete angesehen.


Wie gesagt, es war nie eine Frage der Entscheidung. Es ist, wie es ist (sagt die Liebe). Tut einem Leid, wenn man der Untermieter ist, tut dann weh, wenn man der willige Käufer ist, der das Objekt der Begierde nicht abkriegt.


Bin übrigens schon einige Zeit williger Käufer und zähle gerade die Tage, bis Peanut zu mir nach Österreich auf Weihnachtsbesuch kommt. :-)

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Warum merkt man eigentlich, dass man Scheisse baut,

ändert es aber trotzdem nicht (sofort)?


Der Kopf weiß schon lange "Oh oh" und man geht trotzdem mindestens einen Schritt zu weit, anstatt es garnicht erst so weit kommen zu lassen.




Dienstag, 13. November 2012

Projekt X

... ist der Versuch, mein inneres "Warum?" in ein "Warum  nicht?" zu verwandeln.


aber: Wie geht das? .. zuviele W-Fragen ...

Vom (Miss-)Erfolg, Nicht-Erfolg und vom vErfolgt werden

Was nützt es mir in den Startlöchern zu stehen
wenn ich gar nicht weiß, wo das Ziel ist?
Was nützt es, auf der rechten Bahn zu bleiben
wenn der Langstreckensprint kein Spiel ist?
Wie soll ich jemals all die Hürden nehmen
in diesen viel zu großen Schuhen?
Warum fühl ich mich kleiner als mein Spiegelbild?
Und was kann man dagegen tun?

Ich bin es bisher sehr gewohnt, (so gut wie) alles zu erreichen, was ich möchte (wenn ich es denn wirklich möchte). Wollte ich etwas machen, bin ich es angegangen. Ich habe meines Wissens nach nie etwas unterbrochen sondern immer "durchgezogen" (von unwichtigen Unikursen abgesehen).  Der Abschluss eines Semesters war nie ein Problem oder eine Hürde für mich. Das lief einfach.
Nun läuft es, so glaube ich, zum ersten Mal in meinem Leben nicht so. Es läuft nicht.  Ich  verbuche es bei mir selbst als Misserfolg. Ich schaffe etwas nicht, ich kriege etwas nicht auf die Reihe.

Bei sonstigen Hürden bin ich auf Menschen zugegangen und habe um Hilfe gebeten. Habe meine Sorgen angesprochen. Hier kann ich das irgendwie nicht. Die mir am nähesten scheinen mir die gefährlichsten zu sein; sie könnten schließlich von meiner Erfolglosigkeit Wind bekommen. Und was dann?? Das kann ich irgendwie nicht riskieren. 

Würden sie mich denn wegstoßen? Mich nicht mehr mögen, weil ich etwas nicht so hinkriege, wie gewohnt? Es bin doch ICH, die mit diesem Nicht-Erfolg zu kämpfen hat. ICH bin diejenige, die die Erwartungen an mich selbst erst aufgestellt hat. Und trotzdem verfolgt mich diese Angst, meine Fehler, meine Probleme und meine Misserfolge jenen gegenüber einzugestehen, die mich mit totaler Sicherheit trotzdem gleich viel lieben werden.


Was kann man dagegen tun?
Wenn der Weg, den man geht, nur ein Kreis ist
Was kann man dagegen tun?
Wenn selbst der Brei, um den man schleicht, nicht mehr heiß ist


Wir sind geprägt von der Frage, wieviel wir bisher in unserem Leben erreicht haben. Wie weit sind wir gegangen? Haben wir uns alles getraut? Sind wir erfolgreich? Wir wollen es richtig machen. Aber was heißt richtig? Nichts bereuen? Keine Fehler zu machen? Wodurch definiert sich "Erfolg" eigentlich? Indem man ein Ziel hat,  das man erreicht? Und dann?



Die wenigsten meiner Erfahrungen und Erlebnisse hatten etwas mit Erfolg (oder dessen Abstinenz) zu tun. Sie waren einfach Erfahrungen. Das war immer ein bisschen von allem und absolut immer gut so. Denn verändert und gefordert hat mich nicht die Erfolgsfrage, sondern immer die Frage "wo steh ich und wo will ich hin?" - und das hat überraschend wenig mit Erfolg zu tun.

Aber hier ist auch der Haken: Ich weiß nicht, wohin ich will. Wüsste ich das, wäre mein Weg derzeit auch nicht so steinig. Ich habe keine Ziel nach der DA. Also verzögere ich. So gut ich kann, und das schon ziemlich lange.


Stehst du dir nur im Weg und mit dir selber im Konflikt
Dann mach dich aus dem Staub! Mach dich aus dem Staub!
Steht alles auf dem Spiel und das Spiel hat sich verstrickt
Dann mach dich aus dem Staub! Mach dich aus dem Staub!
Der Zünder ist gezogen und du weißt die Bombe tickt
Mach dich aus dem Staub! Mach dich aus dem Staub!
Die Zweifel überblickt, es scheint verzweifelt und verzwickt
Mach dich aus dem Staub! Mach dich aus dem Staub, der dich erstickt!



A. weiß nicht, warum sich emotionaler Misserfolg wieder und wieder bei ihr einschleicht. Was macht sie falsch? Sie hat ein Bild, und sie möchte es erfüllt sehen: aber es klappt nicht.

B. ist klug und kompetent für drei, und sie ist erfolglos auf Jobsuche. Warum zum Teufel? Wenn da draußen jemand mit Verstand wäre, müsste er/sie sie sofort einstellen! Diese Frau hat alles, was eine Firma braucht!!

C. hadert damit, anders aus ihrem Job auszusteigen, als gewünscht. Sie steigt nicht erfolgreich, sondern erfolgsarm aus. Niemand sieht ihre getane Arbeit. Sie zweifelt also an sich selbst.

D. versucht, immer und überall ihr Bestes zu geben. Sie versucht,allen Erwartungen gerecht zu werden, den größten Druck macht sie sich allerdings klar selbst.


Keiner der Buchstaben spricht gerne über seine Zweifel, Sorgen, über das Gefühl der Erfolglosigkeit. Und brauchen gleichzeitig eigentlich extrem viel Feedback, nämlich:  DU BIST GROßARTIG, SO, WIE DU BIST! KEEP GOING!

Den größten Druck und den größten Zweifel, die meisten Erwartungen und die schlimmsten Enttäuschungen kommen von uns selbst. Es ist Zeit, uns zu sagen:



Wir machen das gut. Und wir sind immer liebenswert ( - es wert, geliebt zu werden), ganz egal, wie groß oder klein unser Erfolgsteller ist.

Sonntag, 21. Oktober 2012

"Mein Leben läuft von mir weg. Dein Leben läuft an dir vorbei. Treffen wir uns in der Mitte! Gehen wir glücklich auseinander. Du rast wagemutig auf dich zu. Ich schleiche mich friedvoll von mir fort."  (aus: Daniel Glattauer - Darum, S. 217f)


"Sie telefonierten stundenlang. Sie war sein Ein und Alles - Falsch! Sie war sein Ein, die Bücher waren sein Alles." (ebd.: 247)






Je mehr ich fühle, desto mehr fürchte ich mich. Und je mehr ich mich fürchte, desto sicherer weiß ich, dass ich fühle: und dann fühl ich.  Macht das Sinn?

Dienstag, 16. Oktober 2012

Neuland


Warum heißt peanut eigentlich peanut? Es hat weder etwas mit Erdnüssen noch mit den echten Peanuts zu tun. Auf der langen Busfahrt von Bosnien nach Ljubljana verbrachten wir Zeit damit, uns das erste Mal ein bisschen kennenzulernen. Und ich konnte Zeit damit verbringen, ihren MP3 Player kennenzulernen (eine todsichere Methode, über eine Person etwas zu erfahren. Außer es ist zum Beispiel Sport-Musik drauf. Dann gibts auch bei mir Songs, die ich öffentlich nicht zugebe.); irgendwann stellte sie auf shuffle und es lief der Song "Crazy Peanuts" von Stephen Lynch. Nicht, dass der Song mein Herz so dermaßen ansprach ;) oder dass ich das Gefühl hatte "das ist jetzt total sie!", ganz im Gegenteil. Aber ich wollte einen "Blognamen" der nur indirekt mit ihr zu tun hatte, und da ich Katzenjammer als unpassend empfand wurde es eben peanut.
Tatsächlich ist sie so viel mehr. Mehr als nur eine Erdnuss oder ein Songname. Wir sind seit zwei Monaten zusammen. Ein verrückter Prozess und eine Entwicklung, mit der ich lange nicht mehr gerechnet hatte. Ich tat den Monaten zuvor alles, um sie zu vergessen, zu verarbeiten, in den Wind zu schießen: Doch sie kehrte immer wieder in meinen Kopf zurück. Mindestens eine von uns beiden wusste meist "verdammt, da ist was" und dieses "verdammt" ließ sich durchaus eine Weile ignorieren, kam aber immer wieder auf.
Was unsere Vorgeschichte betrifft sind wir anders: Ich verließ die Musikerin noch in meiner Zeit in Ljubljana, und peanut  war das letzte Warnschild von vielen, die ich zuvor ignoriert hatte.  Die Musikerin hat nie die ganze Wahrheit erfahren, auch aus dem Grund heraus, dass es sie nur mehr verletzt hätte. "Ich fühle nicht genug" war ausreichend genug. ICH war ausreichend genug. Sie brauchte noch eine ganze Weile (und braucht heute noch), um mit mir "umzugehen". Sie war mir böse, sie vermisste mich, sie schrieb mir Karten, sie stand plötzlich vor meiner Türe. Ich hätte ihr nichts von peanut erzählt, selbst wenn sie gefragt hätte. 

Peanut kommt aus einer ganz anderen Beziehung und sie ist auch völlig anders zu einem Ende gekommen. Wie gesagt, ich hätte nicht mehr damit gerechnet, dass sie irgendwann sagen würde "ich bin verliebt in dich".


Dass es tatsächlich passiert ist : macht mich zu einem der glüklichsten Menschen  auf der Welt. :)


Die Musikerin studiert jetzt an meiner Uni (auch mein Studium) und läuft mir und Freunden nun permanent über den Weg. Irgendwie hatte ich da immer ein schlechtes Gewissen; ihr ging es schließlich schlecht und mir gut. Heute habe ich ihr "offiziell" gesagt, dass ich eine neue Freundin habe. Ich fühlte mich ziemlich lange so, als wäre ich mal besser nicht "offiziell glücklich". Wohl, weil mich meine eigene Vorsicht immer zurückhielt. Aber inzwischen merke ich, dass es da um meine Ängste ging, und nicht um die Musikerin oder um Rücksicht auf ihre Gefühle.




Da ist vieles Neuland für mich. Richtig viel. Vor allem, was mein irre intensives Gefühl für sie betrifft. Was das betrifft, wie wir uns begegnen (auf welcher Augenhöhe). Und auch, wie oft (Fernbeziehungen stinken unfassbar zum Himmel, UNFASSBAR INTENSIV zum Himmel, wenn irgendwer da oben lebt, tut er/sie/ tun die mir leid).



7 Tage noch, dann darf ich ihre Studienheimatstadt kennenlernen.Countdown läuft. "Ich liebe deutsche Land."  Und eine großartige Frau, die dort wohnt. Pfuh! ;)

Freitag, 5. Oktober 2012

supposed to be.

"Man klebt erst ein Pflaster auf die Wunde, wenn es auch geblutet hat."

Ich bin gerade in einer Stimmung, in der meine Wut noch nicht vollständig verdampft ist, aber auch nicht mehr so präsent, dass sie mir tatsächlich den Fingern kitzeln würde. Gerade ist es nur ein Dunst, ein bisschen Bodennebel, ein ekeliges Gefühl, es juckt irgendwo, aber undefinierbar, wo genau, und wenn man die Stelle nicht findet, kann man es auch nicht "wegkratzen".


Der Satz "Aber ich/er/sie/die Leute will/wollen doch (alle) nur dein Bestes" kotzt mich schon lange an und vielleicht begreife ich gerade zum ersten Mal, warum. Ich lese den Satz zum ersten Mal ein bisschen anders. Sie wollen dein BESTES. Nicht den Durchschnitt und nicht, wonach dir ist, nein, es soll das BESTE sein. DEIN Bestes, das DU geben kannst. Vielleicht habe ich es all die Zeit bisher falsch interpretiert - dass deine Umgebung nun mal möchte, dass du es am Schönsten hast. Aber vielleicht heißt es das nicht. Vielleicht geht es auch nicht darum, dass alle Leute besser als man selbst wissen, was man braucht. 

Vielleicht geht es darum, dir die beste Leistung abzuverlangen. Weil sie zu besten Erfolgen führt und Erfolge haben noch keinem geschadet (sieht man von den Studien darüber ab, dass 'Erfolg dem Berufsleben schaden kann', die sicher von Hippies in Auftrag gegeben wurden (weil Hippies besonders auf Zahlen und Statistiken stehen, weiß doch jeder.) ), oder?

Mir wird Druck gemacht. Großteils der Zeit unter dem Deckmantel von Liebe, Besorgnis und Aufmerksamkeit. Es bleibt Druck. Manchmal unter dem Deckmantel von "Aber das beschäftigt uns generell schließlich alle.."  - das heißt übersetzt, andere Menschen möchten gerne wissen, in welche Konkurrenzschublade sie dich stecken und sich dann mit dir messen können. Das bleibt auch Druck. Selten heißt es einfach "MACH DAS, SONST" oder "ES SOLLTE SCHON.." - das ist Druck, den wir gar nicht mehr gewohnt sind. Wer sagt einem so etwas noch, außer ein böser Chef? Da ist man erst mal baff. Aber man kennt sich auch aus.

Und dann gibt es Druck, der über drei Ecken ausgeübt wird. Völlig unpassende Zusammenhänge werden gedanklich gezogen und einem dann präsentiert: So ist das! So einen Bullshit habe ich heute präsentiert bekommen und ich zerfleische, zerkaue ihn immer noch. Ich kann nicht mal schreien: DU DRUCKMACHER/IN! Denn in diesem Fall hat man nichtmal über das Thema geredet. Aber beide Parteien wissen es und beide stehen völlig unter Stress.


Ich bin selten so im Kreis gerannt wie ich es jetzt bei meiner Diplomarbeit tue. Ich nehme die Arbeit auf, ich lege sie wieder weg. Ich fange woanders wieder an. Ich entwickle nach (sehr) langer Zeit immer noch einfach kein System. Ich weiche Konfrontation aus - sonst so gar nicht meine Art. Ich renne weg. Ich meide das Büro meiner Betreuerin, obwohl ich dringend bei ihr mal klopfen müsste. Ich fürchte mich, wovor genau? Nun ja.  Ich denke, alles, was danach kommt, ist riesig, ungeplant und angsteinflößend. Und deshalb gehe ich es NICHT AN. 
Ich bin völlig überzeugt davon, dass meine "Schaffenspause" wichtig für mich war. Ich war noch nicht bereit. Ich habe all die Zeit gebraucht - das Auslandssemester, den Sommer danach, alles. Aber mich drängen alle Seiten: meine Finanzen (die bei 0 ankommen, da ich keinerlei Beihilfen mehr bekomme (zu alt! ;) und ich derzeit keinen Job habe), die Uni (nicht die Betreuerin, aber mein Studium läuft einfach auch AUS ;) , meine Eltern (die Eckendrücker!) und nicht zuletzt meine Freunde, bäh. Ich habe keine Wahl mehr. Es muss.


Und schon schreit es in mir, haareraufend (und ich hab eh schon nur mehr so wenige, mir fehlt ne ganze Hälfte!):

ICH MUSS GARNIX AUSSER...





Am meisten hasse ich, dass ich gerade 100 Zeilen lang versucht habe, anderen Leute meine Wut  in die Schuhe zu schieben. UND dass dieses Paar Schuhe niemand anderem gehören als mir selber.



"fail with consequence, lose with eloquence
and smile." (the notwist)